Salomon Gessner-Haus Zürich

Umbau, Sanierung und Renovation

Adresse

Münstergasse 9
8001 Zürich

Auftraggeber

Stiftung Spezialfonds der Neuen Zürcher Zeitung AG

Leistungen

Planung, Ausführung, Bauleitung

Realisierung

2000–2003

Bauvolumen

4.8 Mio. CHF

Im Kern dieses Hauses finden sich Spuren eines römischen Wohnturmes. Seit Jahrhunderten ist es darum herum immer wieder erweitert und neu ausgestattet worden, die romanischen Fenster, die Turmkachelöfen und barocken Stuckdecken zeugen vom Geschmack und vom Ansehen seiner Bewohner. Im achtzehnten Jahrhundert wohnte Salomon Gessner hier, der Dichter der Idylle und ein hochgeschätzter Landschaftsmaler, als Mitglied der zürcherischen Regierung, Verleger, Herausgeber und Redakteur einer Vorläuferin der Neuen Züricher Zeitung ein wichtiger Bürger der Stadt. Zu seinen Gästen und Besuchern gehörten Wieland und Goethe, und die Familie Mozart war 1768 zu Gast, anlässlich des Auftritts des zwölfjährigen Wunderkindes auf seiner ersten Konzertreise. Zuletzt wurde das Haus zwischen 1950-53 umgebaut, dabei riss durch die starken strukturellen Eingriffe und den Einbau von Versatzstücken aus verschiedensten historischen Abbruchobjekten sein innerlich gewachsener Zusammenhang ab.

Der Entwurf suchte nun nach Möglichkeiten, dem Gebäude seine innere und äussere Ganzheit wieder zu geben. Die innere Raumprägungen durch den römischen Wohnturmes wurde durch stellenweise Ergänzungen wieder lesbar gemacht, die nötigen neuen Türen und Einbauten wurden als Fortführung des Einrichtens verstanden und die Wohnungen jedenfalls so neugeordnet, dass jede eine eigenständige Raumqualität entwickelt und ihren Anteil an den baulichen und historischen Besonderheiten und Spuren aus den verschiedensten Jahrhunderten hat und so gleichsam eine Synthese des ganzen Hauses und seiner Geschichte zur Darstellung bringen kann. Die Arkaden, unproportional und im urbanen Kontext völlig deplaziert, die das Haus entlang der Münstergasse infolge der um 1950 erfundenen Baulinie verunstalteten, wurden wieder zurückgebaut. Damit findet das mächtige Haus seine Setzung wieder in der Gasse, erhält seinen Platz im kulturellen Gedächtnis und die Interieurs gewinnen ihre einladende Ausstrahlung zurück.

Erdgeschoss
Querschnitt 2 / Innenhof-Fassade

Bilder 1, 3–4: Pfister Schiess Tropeano / Bild 2: NZZ

17.10.2003 | Neue Zürcher Zeitung | von Sigi Schär

Gestern und Heute an der Münstergasse

Das renovierte Salomon-Gessner-Haus «Zum Schwanen»