Musikschule Zeltweg Zürich

1e Etappe: Umbau, Sanierung und Renovation
2e Etappe: Einbau Musikschule und Produktionsküche

Adresse

Zeltweg 21a
8032 Zürich

Erbaut

1909 von Robert Zollinger

Auftraggeber

GFZ Gemeinnütziger Frauenverein Zürich

Leistungen

1e Etappe: Projektierung, Ausschreibung, Realisierung
2e Etappe: Projektierung, Ausführungs-
planung, Ausführung und Bauleitung, Gestalterische Leitung

Realisierung

1e Etappe: 2005-2006 2e Etappe: 2012–2013

Bauvolumen

4.8 Mio. CHF

Um 1830, nachdem die Stadtbefestigung aufgehoben worden war, wurde der Zeltweg als neue Ausfallstrasse zur seebegleitenden Landstrasse gebaut. Daran eröffnete der gemeinnützige Frauenverein seine Haushaltungsschule, die bereits 1909 durch den Bau erweitert wurde, um den es hier geht. Selbstverständnis und Rolle der Frauen haben sich in jenen Jahrzehnten verändert, auch wenn ihnen noch keine Bürgerinnenrechte zugestanden wurden, bot die Haushaltungsschule doch immerhin eine anerkannt professionelle Ausbildung, um die Anerkennung des Berufs der Hausfrau durchzusetzen. Das zielte letztlich auf die Abschaffung der Beschränkung der Bürgerrechte, die nach 1918 europaweit vollzogen wird. Aber hier dauert es noch bis zu Beginn der siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, bis den Männern der Legislativen von Gemeinden, Kantonen und Bund dieser Schritt gelingt.

Dem Haus am Zeltweg 21a ist jedenfalls diese Zuversicht am selbstbewusst klaren, hellen geometrischen Jugendstil anzusehen. Seine äussere Erscheinung wird zwar Heimatstil genannt, zielt aber eher auf Formen einer neu zu erfindenden Heimat, auf die Hoffnung einer helleren Zukunft. Das zeigt sich auch in den Innenräumen, die immer zugleich beides sind, benutzbar an sich und eingerichtet zur Demonstration, wie damit umzugehen sei.


Wenn nun aus der Haushaltungsschule eine Musikschule gemacht werden sollte, so stand dem angesichts der grossen Klassenzimmer und der breite Treppenaufgang nichts im Weg. Zudem gaben die ehemaligen Pensionszimmer für interne Schülerinnen in der obersten Etage eine exzellente Gelegenheit, sie als Kabinen für den Einzelunterricht am Instrument umzurüsten. Im Keller liessen sich ausserdem leicht einige freistehende Übungsboxen für Gruppen unterbringen. Um diese neuen Interieurs schalldicht und -schluckend auszubilden und mit Anschlüssen für Strom und Übertragungen zu versehen, wurden sie mit Stoffen ausgekleidet und von Holzprofilen zu strukturieren. So wird ihre akustische Konditionierung zum räumlichen Erlebnis, wurden sie zu Kabinetten oder Schatullen, die kostbar wie Futterale für Musikinstrumente wirken. Unerwarterweise, aber ganz aus den Anforderungen heraus, nahmen die Architektinnen hier den Faden auf, den der Architekt Robert Zollinger mit seinem freien klaren Jugendstil eingezogen hatte. Dadurch stellt sich im Nachhinein auch deutlich heraus, wie musisch er die Haushaltungsschule eingerichtet hatte, oder anders gesagt, wie unmiss-verständlich deren Anliegen auf den kulturellen Raum ausgerichtet war, den es zu erobern galt.

Situationsplan
2. Obergeschoss
Untergeschoss
Längsschnitt
Nordfassade

Bilder 1-7: Francesca Giovanelli, 8-9: Pfister Schiess Tropeano

2.2.2017 | Pfister Schiess Tropeano & Partner Architekten AG | von Markus Grob

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